360-Grad-Feedback: Software, Preise und Kosten
Worauf man bei der Software für das 360-Grad-Feedback achten sollte
Kernproblem: mangelnde Transparenz
In einem Fall lag der Preis für einen Auswertungsbericht bei nur 80 Euro;
das Einfügen des eigenen Firmenlogos in die Berichte hätte aber zusätzlich
2.000 Euro gekostet. Für diesen Betrag hätte man bei einem anderen Anbieter
die Software kaufen können, allerdings wäre der Kaufpreis nochmals fällig
geworden, wenn die Anzahl der Berichte eine bestimmte Menge überschritten
hätte – so als müsste man den Preis für einen neu gekauften PKW nach 50.000
km ein zweites Mal bezahlen.
Bei der Entscheidung über die Auswahl einer Software für das
360-Grad-Feedback sollte man folgende Grundsätze beachten:
(1) Als wirtschaftliches Kriterium kann man zunächst eine traditionelle
Befragung mit Versand der Fragebögen per E-Mail, Fax oder Post mit
anschließender Eingabe und Auswertung der Daten mithilfe eines
Tabellenkalkulationsprogramms heranziehen. Der Zeitaufwand pro
Feedback-Nehmer (bei 15 Feedback-Gebern) liegt bei etwa anderthalb bis zwei
Stunden (Faustregel). Für die Durchführung reichen die Kenntnisse eines
Studenten im Grundstudium oder eines Praktikanten völlig aus. Von einer
Software für ein 360-Grad-Feedback muss man also erwarten, dass sie diese
Arbeit schneller, zuverlässiger und kostengünstiger erledigt. Das ist nicht
automatisch der Fall, weil Einrichtung, Integration, Administration,
Koordination und die Lösung unvermeidbarer Fehler und Probleme in der
gesamten Prozesskette zum Teil erhebliche Zeit beanspruchen. Hinzu kommt der
Zeitaufwand für die Recherche und den Versuch, die verwirrenden (und meist
nicht vergleichbaren) Angebote zu vergleichen.
(2) Man sollte grundsätzlich darauf achten, dass die Unternehmensberatung,
mit der man schon längere Zeit zusammenarbeitet, nicht gleichzeitig das
360-Grad-Feedback durchführt. Das sollte vielmehr ein (neutraler) Anbieter
der Software (einschließlich Administration) übernehmen. Erstens ist es
erfahrungsgemäß wichtig, dass die Ergebnisse der Befragung tatsächlich
anonym bleiben. Zweitens sollte man vermeiden, dass die Unternehmensberatung
einen zu tiefen Einblick in die Macht- und Kommunikationsstrukturen des
Unternehmens bekommt und diese Informationen für eigene Zwecke nutzen kann.
Drittens haben nur sehr wenige Beratungen die notwendigen Spezialkenntnisse:
Ein 360-Grad-Feedback ist nicht einfach nur eine weitere Befragung. Aus den
gleichen Gründen existiert eine strikte Trennung zum Beispiel zwischen
Personalberatung und Personalentwicklung.
(3) Eine Erfahrungstatsache, die niemand wahr haben will, besagt, dass viele
Menschen dazu neigen, von der Form (beeindruckende bunte Grafiken) auf den
Inhalt (Validität und Reliabilität) zu schießen. Bei einer Recherche an
unserem Institut hat sich herausgestellt, dass in 60 Prozent der Fälle die
Fragebögen so konstruiert waren, dass belastbare (valide) Ergebnisse gar
nicht möglich waren (trotz bunter Grafiken). Die Erstellung eines Horoskopes
(mithilfe der Software) wäre aussagekräftiger, schneller und qualitativ
besser gewesen. Die Technik einer 360-Grad-Befragung ist eher trivial. Die
eigentliche Kunst besteht darin, die Diagnose und Entwicklung der
erfolgsrelevanten (!) Kompetenzen mit den quantitativen und qualitativen
Zielen des Unternehmens zu verknüpfen.
(4) Auch die beste Software kann nicht verhindern, dass im gesamten Ablauf
Fehler und Probleme entstehen. Das gilt für alle
Beteiligten: Feedbacknehmer, Feedbackgeber, Adminstratoren, Berater,
IT-Abteilung, interne und externe Mitarbeiter und die Hotline. Die Fehler
reichen von falschen Eingaben, die eigentlich anonym und daher nicht
identifizierbar sein dürften über „unberechenbare“ Spamfilter, falsch
eingestellte Autoresponder, versehentliches Löschen oder Abbrechen der
Dateneigabe, falsche Bedienung, Ablenkung, Tippfehler in
den E-Mail-Adressen („Schmitt“ statt „Schmit“), Inkompatibilitäten, Abstürze
bis hin zu Missverständnissen bei der Formulierung und Interpretation der
Fragen. Deswegen sollte man ganz besonders auf
kompetente, engagierte und kundenorientierte Mitarbeiter bei der Hotline
achten, die die Software wirklich beherrschen.
Und damit schließt sich der Kreis: Wenn ein Software-Anbieter nicht in der Lage ist, ein kundenorientiertes, transparentes Angebot zu unterbreiten, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass er nach Auftragserteilung den Willen und die Fähigkeit aufbringt, die (unvermeidbaren) Probleme engagiert und kundenorientiert zu lösen?
Preise und Kosten (bei vorhandenem Fragebogen)
(1) Die Preise werden in der Regel pro Feedback-Nehmer einschließlich 10 bis 20 Feedbackgebern berechnet und liegen bei 150 bis 250 Euro (also pro Feedback-Nehmer). Das versteht sich einschließlich der Kosten für die Hotline.
(2) Üblich ist eine einmalige Einrichtungsgebühr einschließlich Eingabe des Fragebogens von 300 bis 500 Euro.
(3) Wichtig ist ferner eine 128bit Datenverschlüsselung (200 bis 300 Euro)
(4) Nicht notwendig, aber angebracht ist eine Anpassung des Fragebogens an das Corporate Design (wenn man keine Werbung für die Unternehmensberatung oder den Software-Anbieter machen will).
Nicht vergessen: Fordern Sie eine schriftliche Bestätigung, dass nach Durchführung des 360-Grad-Feedbacks alle Daten unwiderruflich gelöscht werden.
Kontakt: w.pelz@w.fh-giessen.de (Professur für Internationales Management und Marketing - angewandte Forschung und Entwickloung am Steinbeis-Transferzentrum - Institut für Management-Innovation)