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Tipps zum Vergleich von Anbietern (Entscheidungshilfe)

360-Grad-Feedback - AnbieterEin Vergleich von Anbietern ist äußerst schwierig, weil die meisten Angebote äußerst intransparent und verwirrend sind. Relativ gut vergleichbar sind die Kosten der Leistungen für den gesamten Prozess. Er beginnt bei der Auswahl der Feedbacknehmer und Feedbackgeber am 360-Grad-Feedback und endet bei der Erfolgskontrolle der Umsetzung der Ergebnisse in der Praxis. Weiter unten ist ein solcher Ablauf für den Vergleich von Anbietern in einer Tabelle dargestellt. Zuvor sollte man jedoch einige grundsätzliche Fragen klären.

Auf die Bedeutung der Gütekriterien (Validität und Reliabilität) des Fragebogens für die praktische Nützlichkeit der Ergebnisse wurde bereits mehrfach hingewiesen (Link zum Thema Fragebogen). An dieser Stelle sei erwähnt, worauf man bei einem Anbieter für ein 360-Grad-Feedback achten sollte.

 

Entweder hat der Anbieter selbst eine Validierung anhand einer angemessenen Stichprobe durchgeführt, oder er verwendet Fragen (Items) aus validierten Testverfahren wie zum Beispiel dem Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung, dem Emotionale-Kompetenz-Fragebogen, dem NEO-FFI oder dem Trierer Stress-Inventar. Ein Beispiel für die Verwendung eines nicht validierten Konzeptes ist der DISG-Test, das Reiss-Profil oder die Theorie des Situativen Führens. Beispiele zu diesem Thema finden Sie auf der Seite „Methoden der Diagnose von Kompetenzen“.

Und wenn ein Unternehmen bereit ist, in einen „eigenen“ (individuellen) Fragebogen zu investieren, dann sollte er nachträglich in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess validiert werden.

 

Der Tagessatz der Anbieter kann nur zur groben Orientierung dienen. Manche Berater haben einen niedrigen Tagessatz, benötigen aber wesentlich mehr Zeit, weil sie zum Beispiel mehrere Tagessätze für die Entwicklung eines unternehmensspezifischen („individuellen“) Fragebogens investieren müssen, der sich in den seltensten Fällen im Nachhinein als valide und reliabel (praxistauglich) erweist. Noch kostspieliger wird es, wenn mehrere Personen (neben den Beratern auch noch Mitarbeiter der Personalabteilung, Linienmanager oder Vertreter des Betriebsrates) mitwirken, das Resultat dadurch aber nicht besser wird.

Für die meisten empirischen Erhebungen, wozu auch das 360-Grad-Feedback zählt, gilt folgender Grundsatz: Wenn man wissen will, wie das Wetter morgen sein wird, kann man eine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung heranziehen; die Ergebnisse werden aber wesentlich zuverlässiger sein, wenn man einen einzigen Meteorologen befragt.

Ein weiterer Aspekt ist noch zu berücksichtigen: Wenn eine Kompetenz zum Beispiel eines Vertriebsleiters mit technischer Ausbildung in einem mittelständischen Unternehmen mit 3,8 (auf einer Skala von 1 bis 5) bewertet wird, stellt sich die Frage, was dieser Wert aussagt. Hier sind Normwerte vergleichbarer Zielgruppen notwendig. Ein Anbieter sollte also in der Lage sein, geeignete Normwerte zu nennen.


In jedem Falle sollte man nach den Gütekriterien wie zum Beispiel Cronbachs Alpha, Trennschärfe, Art der Validität mit konkreten Kennzahlen zu den Kriterien fragen. Verwendet der Anbieter etablierte Testverfahren, sollte er unbedingt über das Copyright der Autoren oder Verlage Auskunft geben. Ansonsten riskiert man einen gewaltigen Image-Schaden (auf Beispiele sei hier verzichtet). Mit einer Umformulierung oder willkürlichen Auswahl von Items aus etablierten Testverfahren ist grundsätzlich abzuraten.

Ein weiterer nur schwer vergleichbarer Aspekt ist das Vertrauen in die fachliche und methodische Kompetenz und die Zuverlässigkeit des Anbieters auf dem Gebiet von Befragungen. Ein Trainer, Moderator oder Coach, der bei Teilnehmern gut „ankommt“, ist nicht „automatisch“ in der Lage, ein professionelles 360-Grad-Feedback durchzuführen und aus den Ergebnissen die korrekten Schlüsse zu ziehen.

Der Ablauf (Prozess) der Umsetzung eines 360-Grad-Feedback ist ausführlich auf dem folgenden Merkblatt dargestellt: 360-Grad-Feedback – Ablauf (pdf download). Beim Vergleich von Anbietern ist die Rückmeldung der Ergebnisse (der Auswertung) ein wesentlicher Kostenfaktor. Hier sind drei Varianten üblich: (1) Einzelgespräche eines Beraters mit dem Feedbacknehmer (meist der Führungskraft); (2) Workshop in Gruppen von 6 bis 8 Feedbacknehmern mit kollegialer Beratung und (3) Befähigung firmeninterner Mentoren zur Erarbeitung eines persönlichen Entwicklungsplans mit dem Feedback-Nehmer. Erfahrungsgemäß hat die dritte Variante den größten Einfluss auf die Effektivität und Effizienz einer 360-Grad-Beurteilung, und die erste ist die teuerste.

Wenn diese Fragen geklärt sind, kann man die nachfolgende Tabelle zum Vergleich von Anbietern für das 360-Grad-Feedback heranziehen.

Tabelle: 360 Grad Feedback Anbieter: Kosten und Leistungen

Prozess/Leistung Kosten pro Feedbacknehmer
Anbieter A  Anbieter B Anbieter C
1. Auswahl, Vorbereitung und Information der Zielgruppe (Feedbacknehmer und -geber)      
2. Einrichtung und Betrieb des Systems (IT) sowie Projektleitung und Koordination      
3. Systemadministration, Hosting, Datensicherheit und Datenmanagement sowie Hotline      
4. Validierter Standard- oder modular aufgebauter Fragebogen sowie Lizenzkosten      
5. Erweiterung, Anpassung oder Entwicklung eines individuellen Fragebogens plus Validierung      
6. Konfiguration, Erstellung und Versand der Auswertung (Ergebnisberichte)      
7. Besprechung und Interpretation der Ergebnisse
mit Tipps zur Verbesserung der Kompetenzen
     
8. Folgemaßnahmen (Mentoring, Coaching oder Training) in drei Varianten (siehe oben)      
9. Erfolgskontrolle der 360-Grad-Beurteilung und der Effekte der Entwicklungsmaßnahmen      
Gesamt

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